| | Genossenschaft jetzt! Theaterhaus Gessnerallee Uraufführung 3. Februar 2009. Weitere Aufführungen am 8. + 9. + 10. + 11. Februar, jeweils 20 Uhr. Wiederaufnahme 15. + 16. + 17. Mai 2009, jeweils 20 Uhr [Link] Tojo Theater Bern 13. + 14. Februar um 20.30 Uhr, 15. Februar um 19 Uhr Kaserne Basel 20. + 21. Februar, jeweils 20 Uhr Transport Festival, Pathos Transport Theater München 24. Mai, 20.30 Uhr und 22.30 Uhr [Link] Alte Kaserne Winterthur 28. April 2010, 20.30 Uhr [Link] Theater Tuchlaube Aarau 30. April und 1. Mai 2010, jeweils 20.15 Uhr [Link] Palace St. Gallen 2. Mai 2010, 20 Uhr [Link] Theater am Kirchplatz Schaan 5. Mai 2010, 20.09 Uhr [Link] Die Schweiz im Jahr 2020. Ein rücksichtsloser Steuerwettbewerb verunmöglicht politische Gestaltung. Die EinwohnerInnen des Landes sind zu einer Ansammlung von KonsumentInnenprofilen verschmolzen. Riesige Kapitalströme suchen in der noch stabilen Schweiz nach Anlagemöglichkeiten und trocknen den hiesigen Liegenschaftsmarkt aus. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage ist angespannt. In dieser Zukunft hat sich eine Vielzahl von Genossenschaften zum teilautonomen «Zeitgenossenschafts-Bund» (ZGB) zusammengeschlossen. Dieser betreibt seine Wirtschafts- und Innenpolitik unabhängig von der Eidgenossenschaft und sorgt in seinen Reihen für sozialen Ausgleich.
Doch in der kleinen Kooperativbäckerei «B-Waren», die sich in einer Industriebrache etabliert hat, diskutieren die Mitglieder hitzig. Ihre Vorstellungen vom Geschäft und der Rolle des Genossenschaftsgedankens driften auseinander. Mit der Geschäftserweiterung zur Bierbrauerei und der Neuaufnahme eines Mitglieds bringt die «B-Waren» dann ein empfindliches Gleichgewicht zum Kippen. Denn der ZGB erlässt den ihm angeschlossenen Genossenschaften auf Druck internationaler Konzerne immer restriktivere Verordnungen – unter anderem ein Verbot zur Produktion von alkoholhaltigen Getränken. Als der «B-Waren» aufgrund ihrer Brauerei-Erweiterung der Ausschluss aus dem «Zeitgenossenschafts-Bund» droht, muss sie an einer aussergewöhnlichen Generalversammlung entscheiden, wohin die Reise führen soll. Schliesslich hat ihre Tradition bisher immer darin bestanden, die Anliegen des ZGB mit zu formulieren – so etwa das Projekt, das Grundwasser des Mittellandes durch Vergenossenschaftlichung vor der bevorstehenden Verwertung durch Nahrungsmittelkonzerne zu schützen.
In dieser Spielanlage lässt das Bühnen-Projekt «Genossenschaft jetzt» unterschiedliche Auffassungen von «gemeinschaftlicher Selbsthilfe» aufeinander prallen: Von den Gründungsmythen der Eidgenossenschaft bis zu gescheiterten Modellen genossenschaftlicher Entwicklungshilfe, von monopolistischen Konsumgenossenschaften bis zur Kollektivierung der Bodenrente. Die Vielzahl von Auffassungen wird von der Überlegung verknüpft, ob und wie Genossenschaften zur internationalen Entwicklung solidarischer Demokratie beitragen können.
Der Text von Tim Zulauf orientiert sich – vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise – am aktuellen Diskussionsstand der Genossenschaftsbewegung. Er stellt die Frage: Kann genossenschaftliches Handeln die Gleichschaltung von KonsumentIn und BürgerIn überwinden, oder vertieft es diese systemische Kontrollfigur? «Genossenschaft jetzt!» setzt den Theaterraum als Denkraum für solche Fragestellung in Szene.
Schauspiel Ariane Andereggen, Sascha Gersak, Christoph Rath, Ursula Reiter, Andreas Storm, Wanda Wylowa Text und Regie Tim Zulauf Dramaturgie Mats Staub Bühne Daniel Robert Hunziker Kostüm Zuzana Ponicanova Licht Matthias Hiller Musik Bernd Schurer Regieassistenz Carmen Rossi Produktionsleitung Lukas Piccolin [Biographien]
In Koproduktion mit dem Theaterhaus Gessnerallee Zürich und der Kaserne Basel Mit Unterstützung von Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur, Kanton Zürich, Kulturstiftung des Kantons Thurgau, Fachausschuss Theater und Tanz BS/BL, Kultur Stadt Bern, Kultur Kanton Bern, Burgergemeinde Bern, Ernst Göhner Stiftung, Familien-Vontobel-Stiftung, GGG Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel, Migros-Kulturprozent
«Zum Schluss bewies der Schweizer Autor und Regisseur Tim Zulauf mit seinem Sci-Fi-Stück Genossenschaft jetzt!, wie Theater wirtschaftliche und politische Probleme thematisieren und Intellekt mit komisch-beklemmender Gruppendynamik aufladen kann.» Abendzeitung München, 26. Mai 2009.
«Anstatt ein Argument gegen ein anderes einzutauschen, meint ein Genossenschafter, gehe es darum, ‹die Argumentationsketten aufzulösen, um sie in ihrer Knetbarkeit zu prüfen›. Genau dies tut der dichte Text des Autors und Regisseurs Tim Zulauf. In einer geistreichen Parodie des genossenschaftlichen Diskurses denkt er die Dinge neu und treibt bekannte Argumente in die skurrile Überhöhung. Mit todernsten Minen reden seine Genossenschafter von ‹kollektiver Entgrenzung› und ‹parastaatlichem Engagement›. Gebannt folgt man dem sprachlichen Marathon, schnappt Ideen auf, möchte darüber nachdenken, kann es aber nicht, weil das Wortgefecht auf der Bühne weiterrast. Nur während der Szenenwechsel können die Worte zu Bernd Schurers technisch knisternden, digital spannungsreichen Klangflächen nachhallen.» BaZ, 7. Februar 2009, S. 7
«Und wer den Autor und Regisseur kennt, der in Zürich seit sechs Jahren Politik in Postdramatik übersetzt, weiss, dass er das Maximus an Witz aus diesen trockenen Diskussionen herauskitzelt und das Maximum an Welthaltigkeit in sie injiziert. Dass das Maximum nicht immer das Optimum ist, macht «Genossenschaft jetzt!» allerdings auch deutlich. Manchmal würde im Verschweigen mehr Bühnenmagie liegen. Zum Glück werden die Wortkaskaden dieser WG-Karikaturen von ihrer Körpersprache grandios konterkariert: Von der Zunge mags fliessen, aber die Arme zucken, die Hände suchen zögerlich nach Halt, die Leiber krümmen sich. Fühlen und Reden sind hier oft genauso entfremdet wie in der verdorbenen Eidgenossenschaft. Das richtige Leben im falschen ist gar nicht so einfach, und Zulauf zeigt uns die Gruppe vor einer Grundsatzentscheidung: Bruch mit der «Zeitgenossenschaft» für mehr Freiheit -- oder Kuhhandel und Kompromiss? [...] Wir jedenfalls wählen Tim Zulaufs Theater. Zwar ist ihm die Transformation von Theorie und Kritik ins bestechende Bild nicht so gelungen wie etwa in «Copyshop Europa». Aber das coole, kluge Sitzungstheater von «Genossenschaft jetzt!» hat eine Härte, die ganz ohne Hübschheiten auskommt.» Tages-Anzeiger, 5. Februar 2009, S. 39
«Wer sich als basisdemokratiegeschädigt betrachtet, wird in dem Stück, in dem tatsächlich vor allem diskutiert wird -- und selten auch einmal eine Abstimmung erfolgt, um darüber abzustimmen, ob man nun abstimmen solle -- öfter amüsiert auflachen und bisweilen von Erinnerungen gepeinigt sein. Dramatik findet hier nur in den Mikroschnitten des zähen rethorischen Nahkampfs statt, allerdings in verdichteter, pointierter Form. Auf Friede, Freude, Eierkuchen und andere nette Vergnügungen wird in diesem Theater fast durchwegs verzichtet.» NZZ, 7. / 8. Februar 2009, S. 51 |
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